Trauriges Grau

Wie verloren und falsch ich mir vorkam, an der Haltestelle Reinickendorferstraße auf den M27 wartend. Der nasse Schnee tropfte, lärmende Feuerwehrautos quälten sich langsam durch die stehenden Autos, das ganze Gehupe und überhaupt der ewige Lärm, die vollkommene Trostlosigkeit eines BASF-Gebäudes im Schneetreiben, alles baut sich nur auf in Grau und Grau und Grau. Dazu noch die traurigen Gestalten in natürlich grauen Jogginghosen, die jeden Moment runterzurutschen drohen. Dass ganz Berlin an schlechter Laune zugrunde geht, wundert mich kein bisschen. Heute Morgen, nachdem ich J. zur Schule gebracht, ging ich direkt zum Metzger, um die Schnitzel für den Abend zu kaufen, dann wäre das schon mal erledigt. Punkt acht stehe ich vor der Tür, die Metzgereifachverkäuferin stellt gerade das Schild mit den Sonderangeboten des Tages heraus, ich ziehe mir meine FFP2-Maske auf und frage bloß freundlich: „Darf man schon rein?“ Und sie stänkert zurück, ohne mich überhaupt eines Blickes zu würdigen: „Tür is ja offen!“ Ich wende dann in solchen Fällen immer meine besonders fiese Superkraft an, ich bin extrafreundlich, auf eine schon fast österreichische Art künstlich übertrieben mega zuvorkommend, kaufe meine Schnitzel, und lasse die Dame auf diese Weise wissen, dass sie mir ebenfalls den Buckel runter rutschen kann.

6 Gedanken zu “Trauriges Grau

    1. Den Trick kannte ich noch nicht, muss ich unbedingt mal ausprobieren. (Meistens sind, nach meiner Erfahrung, die Servicekräfte in den Restaurants aber eh ganz wundervoll und supernett, sogar in Berlin, und das will was heißen.)

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