Wahl O Mat

Gestern schon beim Wählen gewesen, gleich in der Früh machte ich mich auf ins Rathaus in der Otto-Suhr-Allee und gab meine diversen Stimmen ab, alles für die Grünen. Ich denke nicht mehr nach über irgendwelche Taktiken, früher wählte ich mit der Erststimme immer den SPDler, weil ich dachte, der oder die Grüne gewinnt den Wahlkreis ja doch nicht, also hilft meine Stimme für Grün indirekt der CDU. Aber mittlerweile denke ich, Demokratie ist eigentlich einfacher: Wähl einfach das, was dir am meisten entspricht und warte, was dabei rauskommt.

Man wählt ja auch weder Personen noch Koalitionen, man wählt Parteien. Das ganze alarmistische Geschrei „Wenn du X wählst, wachst du am nächsten Tag mit Y auf!“, das geht mir so auf die Nerven. Als würde gleich die Welt untergehen, wenn Olaf Scholz einen Linken zum Entwicklungshilfeminister ernennt. Als müssten wir dann gleich am nächsten Tag alle mit Mao-Jackerln zum Jubelappell antreten und rote Fähnchen schwenken, das ist doch alles Quatsch. Das ganze Geplärr vom angeblichen Linksrutsch, der unbedingt verhindert werden müsse. Im Grunde sind das letzte Zuckungen einer Union, die selber überhaupt keine positive Vision mehr anzubieten hat und daher nur noch diffuse Angstmache betreibt.

Mich nerven aber auch die Linken, die auf Twitter große Appelle raushauen, man dürfe nicht Volt wählen oder die Sonnebornsche Spaßpartei, weil das verschenkte Stimmen wären. Lasst doch jeden mal wählen, was er will. Der Wahlomat hat mir noch höhere Übereinstimmung mit Volt und mit der Linkspartei attestiert, als mit den Grünen, die ich wähle seit ich wählen darf. Ok, einmal wählte ich auch CSU, damit kokettiere ich immer, das war die Stichwahl zum Bürgermeister bei uns im Dorf. Der Gegenkandidat war noch konservativer. Da war der CSUler praktisch schon der Linksradikale.

Jetzt wähle ich ja schon lange dort nicht mehr, sondern in Berlin, wo mich die Zusatzfrage nach der Enteignung gewisser Immobilienfirmen in leichte Ratlosigkeit versetzte. Die Stadt kann diesen Firmen ja nicht einfach die Wohnungen so leichterhand wegnehmen, sie muss sie ihnen ja praktisch abkaufen und mein letzter Kenntnisstand war, dass Berlin noch immer pleite ist. Also wenn die Stadt jetzt per Volksentscheid dazu verpflichtet wird, riesige Mengen an Immobilien aufzukaufen, mit einem Geld, das sie nicht hat, um dort dann die Mieten zu senken – ich weiß ja nicht, ob diese Rechnung wirklich aufgeht.

Kreuzte dann trotzdem fürs Enteignen, im Grunde um ein Signal zu setzen, dass Wohnen kein Luxusgut für ein paar Privilegierte werden darf. Mir scheint hier so ein Fall, an dem sich zeigt, wie schwierig es ist, die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte wieder zurückzudrehen. Merkels Erfolgsrezept bestand darin, wie sie nach außen immer so sozialdemokratisch rüberkam, in Wirklichkeit aber ganz Kohl war.

Kohl – Schröder – Merkel. Die drei Kanzlerinnen meines Lebens. Ernüchternde Erkenntnis.

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