The Kids Are Alright

Die Mützenfalterin fragt: „Was weiß man, wenn man Kinder bekommt (müssen ja nicht gleich vier sein)? Gibt es wirklich aufrichtige Antworten darauf, warum man sich Kinder wünscht? Legt man Rechenschaft ab über seinen Kinderwunsch? Und wenn ja, wem gegenüber? Vor sich selbst? Vor den Kindern? Der Gesellschaft? Und warum?“

Ich wusste so gut wie nichts, als ich das erste Kind bekam, plötzlich war es da, der Besuch des Geburtsvorbereitungskurses bestand eigentlich nur aus mega anstrengenden sozialen Kontakten zu Unbekannten, mit denen man nichts gemeinsam hatte, außer dass sie auch gerade zufällig ein Kind am Kommen hatten, man wurde auf nichts wirklich vorbereitet, weder auf die Entbindung noch auf das Danach, jedenfalls als Vater, entsprechend dumm stand ich dann im Kreißsaal allen im Weg herum, machte immer nur das Falsche, und wenn ich nichts machte war das auch falsch, das geht ja gut los, dachte ich.

Hatte ich überhaupt einen Kinderwunsch gehabt vorher? Ich weiß das nur noch so diffus, ich mochte mein altes Leben ohne Kinder, auch kamen mir die Kinderwagenschieber auf der Straße immer nur so halb- bis viertelglücklich vor, dann aber doch auch der Impuls, das könnte doch schön sein, so eine Familie, die aus mehr als nur zwei Menschen besteht. Man selber würde ja natürlich alles richtig machen, was die anderen offensichtlich alle in ihrer Ignoranz verbockten. Was nicht zuletzt die eigenen Eltern an einem selber anno dazumal verbockt hatten. Vielleicht hier ein Urgrund des Kinderwunsches: Der Wunsch nach Korrektur der eigenen Kindheit.

Als ich meine neugeborene Tochter über den Krankenhausflur trug, war das Gefühl der Fremdheit überwältigend. Man hatte mir einen Menschen in die Arme gelegt, den ich gar nicht kannte, ein mir unbekanntes Wesen. Seither lernen wir uns kennen, jetzt ist sie in der Pubertät, schon wieder ein völlig anderer Mensch als noch vor einem Jahr. Beantworte ich eigentlich irgendeine der Fragen vom Anfang? Also im Grunde kann ich nur sagen: Nichts hat mein Leben so bereichert wie die Kinder. Gerade die ständige Veränderung, alle paar Wochen, eigentlich alle paar Minuten, muss man sich schon wieder auf etwas völlig Neues einstellen, und natürlich verbockt man dann doch wieder alles, verzweifelt aneinander, heute erst wieder Zoff beim Abendessen über die korrekte Auslegung der Coronaregeln, so geht die menschliche Komödie immer weiter.

15 Gedanken zu “The Kids Are Alright

      1. Ich mache ja keine wissenschaftliche Studie. Für mich waren die Gedanken sehr aufschlussreich. Vielleicht waren meine Fragen auch zu eng formuliert? Leider bist du ja bislang der Einzige, der etwas geteilt hat.

      2. Deine Fragen sind doch genau richtig, gar nicht zu eng, sondern sehr weit und viel Interpretationsspielraum zulassend. Ich hoffe, es kommen noch mehr Texte, mich würde das auch interessieren, was anderen dazu noch einfällt.

  1. Klagefall

    Ich wusste nichts übers Kinderkriegen und Kinder, wir sind da einfach reingeworfen worden und das war das Beste, was uns je passiert ist. Ich habe dann noch einen GU-Ratgeber Kinderkrankheiten gekauft, um nicht völlig blank dazustehen, naja. Noch nicht im Geburtsvorbereitungskurs, sondern erst im Mütterzimmer Freunde fürs Leben kennengelernt.

    1. Es gibt einen Ratgeber „Oje ich wachse“ . Ich hoffe, den kennt niemand hier. Der hat mir ein paar Monate lang das Leben wirklich schwer gemacht, indem ich den Mist geglaubt habe, statt einfach mein Kind in seiner Einzigartigkeit zu begleiten.

      1. Ja, logisch, das Buch hatten wir auch, ich erinnere mich aber nur noch dunkel an die komischen Weisheiten, die darin mitgeteilt wurden. Was du sagst, das Kind in seiner Einzigartigkeit zu begleiten, das ist es wirklich, worum es geht. Deswegen muss auch jedes Ratgeberbuch notwendig ins Leere laufen, weil da immer so getan wird, als wären alle Kinder gleich, berechenbar und steuerbar wie Billardkugeln. Die Realität ist eine völlig andere.

  2. Pingback: Was man weiß oder im Titel finden bin ich miserabel – muetzenfalterin

  3. Ein Freund hat mir mal Folgendes zu Kindern gesagt (zu einem Zeitpunkt als ich noch kinderlos war) und ich denke häufig daran: Wenn du ein Kind hast, weißt du, was deine Aufgabe ist, warum du täglich aufstehst. Und du weißt, was das schlimmste ist, was dir passieren könnte.

    1. Ja, das stimmt wirklich. Über die Verpflichtung und die Verlustangst hinaus gibt es aber auch noch sehr viel Freude, Spaß, Unerwartetes, immer wieder Überraschendes, das finde ich eigentlich die Hauptsache.

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