Bruchstück (kann auch weg)

Baum gestern schon weggetan, Treppenhaus voller Nadeln. Früher wollte ich die Weihnachtstage immer maximal ausdehnen, mittlerweile der umgekehrte Impuls, nach Silvester alles direkt rauszuhauen. In der Nacht so schreckliches Zeug geträumt, grauenvoll, ganz deprimiert aufgewacht, brauche dann immer ewig, aus diesen Stimmungen wieder rauszufinden, die Träume als das Unwahre wegzulegen und zu vergessen. Am Morgen wieder extremes Schleimhochhusten, was Schlossparkspaziergang praktisch erzwang, nur so kriege ich die Bronchien wieder halbwegs frei. Letzter Ferientag, niemand kam mit. Später las ich Herrndorfs Stimmenbuch fertig, manches sehr gut, manches langweilig, überblättert, ich mochte extrem das Zusammengewürfelte, Bloghafte, die kurzen Formen, und war verwundert, im Nachwort zu lesen, Herrndorf habe mehrfach auf das Nachdrücklichste verfügt, nichts Fragmentarisches aus seinem Nachlass dürfe veröffentlicht werden. Daher der unausgesprochene Subtext des ganzen Nachworts: Die hier veröffentlichten Fragmente sind ganz und gar nicht fragmentarisch! Mir ist das ziemlich wurscht, ich liebe Fragmente, ich glaube ja, sogar so scheinbar vollendete Werke wie die Buddenbrooks sind eigentlich auch bloß Fragmente von irgendwas anderem. Am Ende ist doch jede Kunst, egal wie sehr sie sich um Künstlichkeit bemüht, nur ein Bruchstück von der Welt.

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2 Gedanken zu “Bruchstück (kann auch weg)

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