Schnarchen und Bloggen

Ich war damals in den Nullerjahren so ein fanatischer Tagebuchschreiber, setzte mich an den Rechner, um bloß ein paar Sätze zu notieren, und saß dann eine Stunde da, wie wild tippend, jeder Satz erzeugte fünf neue, und meine Freundin sagte: Mensch, du solltest vielleicht bloggen. Das war damals das Ding der Stunde, bloggen, ich war aber skeptisch, was soll das, man kann doch auf flimmernden Kisten nicht vernünftig lesen, das hatte ich schon bei Goetz’ Abfall sofort verstanden und dann auch brav gewartet, bis es den Scheiß als ganz normales Buch zu kaufen gab.

Als ich dann doch mal selbst zu bloggen begann, im Mai 2012, da war es fast schon wieder vorbei damit, der Hype war jedenfalls verklungen, aber mir machte es Spaß, es war eine gute Erfahrung, überhaupt mal für Leser zu schreiben, zu veröffentlichen, die Leichtigkeit davon, was für eine wundervolle Welt. Du musst bei keinem Verleger oder Redakteur dich ranschleimen, um deine Texte öffentlich zu kriegen. Du kannst es einfach machen. Was wirklich perfekt ist für einen Menschen wie mich, der praktisch unfähig ist, unterwürfigste Bittschreiben für die Verdruckung meiner Scheißtexte zu verfassen. Und noch unfähiger, die einsilbigen Absageschreiben zu verknusen.

Andereseits ist es so: Bloggen ist die niedrigste Kategorie des Schreibens, seien wir ehrlich, wir Blogger sind die Paria der Schrift, kein sogenannter Schriftsteller, der schon mal bei kookbooks ein paar Gedichte auf Papier rausgehauen hat, will noch gerne mit seiner bloggerischen Vergangenheit konfrontiert werden. Internet, das ist doch Ekelzeug für Nazis und Verrückte.
Ich hab damals Sichten und Ordnen aufgemacht, verrückterweise, weil ich einen Printtext geschrieben hatte, und den hatte der auf Papier gedruckte Schriftsteller Thomas Meinecke gelesen und mich gefragt: Wo kann man denn noch mehr von dir lesen? Und leider konnte man nirgendwo noch mehr von mir lesen, und da dachte ich mir: Jetzt mache ich wirklich mal so ein Blog auf und wenn der nächste Suhrkampautor mich fragt, dann sag ich ganz lässig: Sichten und Ordnen.

Logisch, dass kein Suhrkampautor mich je mehr danach fragte. Auch sonst niemand. Keiner will wissen, was du in ein beklopptes Internet hinein schreibst. Als Blogger bist du hauptsächlich und als erstes mal der Depp vom Dienst. Schrift, die irgendeine Art von Gültigkeit hätte, die man ernst nehmen müsste, muss auf Papier vorgelegt werden.

Wenn ihr anderer Meinung seid, behaltet es gerne für euch, ich hasse erstens Kommentare, bin ab übermorgen ohnehin im Urlaub.

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2 Gedanken zu “Schnarchen und Bloggen

  1. Ich habe einmal meinen pubertären Kram eingeschickt, weil es noch kein Internet gab. Zum Glück wurde es abgelehnt, ich bin der Redakteurin noch heute dankbar dafür. Blogs und Literatur sind zwei verschiedene Dinge, ich finde es auch immer merkwürdig, wenn aus irgendwelchen Twitterfeeds und so Bücher gemacht werden. Funktioniert fast nie.

    (Kommentar nach Urlaubsrückkehr einfach löschen)

    1. Ja, bei Goetz funktionierte es irgendwie, der schrieb den Abfall ins Netz und als Buch wars dann plötzlich Literatur. Drum dachte ich immer, so läuft es ab jetzt, die Literatur von morgen hauen wir heute schon ins Netz und spätestens übermorgen wedeln sie uns die Buchverträge unter die Nase. Das war halt leider der dümmste Irrtum, ich muss über mein Schreiben nochmal ganz neu nachdenken, aber jetzt erstmal Kreta…

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