Humanz

Im Gegensatz dazu das Konzert der Gorillaz vor drei Wochen, wo schon Little Simz als Vorband das Publikum immer wieder mit den Worten anheizte: Make some Noise! Und wir taten ihr den Gefallen, machten den gewünschten Lärm, aber noch nicht genug, lauter, lauter, hieß es, zeigt, dass ihr da seid, hier, jetzt, du, ich, wir alle gemeinsam, in dieser Halle, in diesem Moment, und als dann die Gorillaz selber kamen und mit ungeheurer Energie loslegten, die ganze Halle unter Strom setzten, und dieses dergestalt elektrisierte Publikum, dessen kleinster Teil ich selber war, diese Energieströme zurück auf die Bühne leitete, ein Hin- und Herwogen entfesselter Naturgewalten, während die Bässe nicht mehr nur für Ohren hörbar, sondern den ganzen Körper fühlbar erzittern ließen, was, ja was für eine Erfahrung war das eigentlich? Hundertmal heftiger als alles, was ich je in Opernhäusern oder philharmonischen Konzertsälen erlebt habe, weil hier das Publikum nicht nur nicht so tun muss, als wäre es gar nicht da, und auf der Bühne steht ein Künstler, der auch so tut, als wären keine Leute da, als spiele er nur für sich selbst, sondern das Publikum ist im Gegenteil hier ein wesentlicher Teil der Performance selber. Das Wissen darum, dass das Gelingen dieses Abends nicht nur von der Perfektion der Virtuosen da vorne abhängt, sondern von uns allen, und dieses Gefühl, wenn man merkt: Ja, es läuft, es wird gut, die Hütte brennt! Der Traum jedes Postdramatikers, ein mitmachendes Publikum, welcher nur leider in den Hallen der Stadt- und Staatstheater niemals gelingt, weil ein von Kindesbeinen zur Mucksmäuschenstillhalterei erzogenes Publikum sich ängstlich in die Sitze duckt – hier wird dieser Traum Wirklichkeit, und das Ergebnis ist unglaublich toll, kathartisch im besten aristotelischen Sinne. Erfahrung reinsten Glücks.

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7 Gedanken zu “Humanz

  1. Es juckte mir schon bei „Kannitverstan“ in den Fingern, dieses oberlehrerhafte »Tjajahahaahaa! Es kann nur wirken, wenn es durchs Herz in den Kopf kommt!«. Nun schreibst Du es aber indirekt selber und während ich hier tippe, frage ich mich, was das eigentlich alles soll. (Meta-Nihil).

    Naja.

    Schön, dass Du wieder schreibst. Ich mag das sehr. Im Herzen, im Kopf.

    1. Ja, tut mir leid, ich verstehe, dass das nervt, die ewige Umherzieherei. Ich denke, hier bleib ich jetzt mal wieder eine Weile, das write.as war mir dann doch auf die Dauer zu spartanisch. Ich sehe auf WordPress auch eigentlich nie Werbungen, weiß nicht, ob das an Ghostery liegt oder daran, dass ich dauerhaft eingeloggt bin? Aber das ist natürlich interessant zu erfahren, dass die Leser da offenbar was ganz anderes präsentiert bekommen als ich selber. Mach mich bloß nicht verrückt, sonst muss ich schon wieder die Nomadenzelte abbrechen…

  2. Bin hier mobil mit dem Klar-Browser (Firefox plus extra Datenschutz) unterwegs. Sehr keine Werbung. Ebenso mit dem stationären Rechner dank Ad-Blocker. Verstehe aber den Einwand, dass Ads überhaupt in den eigenen Content eingeblendet werden. Wenn Du einmal selber hosten möchtest und Hilfe möchtest, sprich mich gerne an.

    1. Danke für das Angebot. Selber zu hosten wäre vermutlich die eigentlich vernünftige Lösung. Aber dafür hab ich im Moment nicht die Nerven. Also einstweilen bleibe ich jetzt mal hier, wer weiß schon, was noch kommt…

  3. Ich wollte eigentlich auch keine Technikdiskussion lostreten, das ist ja auch doof, gleich am Anfang mal durch die Bude zu rennen, anstatt die dreckigen Schuhe an der Haustür auszuziehen und sich erstmal in Ruhe alles anzugucken.

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